Wir über uns

 

In'n Harvst 1991 hebbt wi speelt:

"Oh, düsse Öllern"

 

Kummedie vun Alfonso Paso

plattmaakt vun Jürgen Pooch

Speelbaas: Herta Mutschink

 

 

Opföhrensdaag

Freedag, 01. Novembermaand 1991

Sünnavend, 02. Novembermaand 1991

Sünnavend, 02. Novembermaand 1991

Sünndag, 03. Novembermaand 1991

Maandag, 04. Novembermaand 1991

Dingsdag, 05. Novembermaand 1991

 

Rullen un jüm ehr Spelers

Lieselotte Ölkers:  

Lisa Schröder

Marianne Ölkers, ehr Dochter:

Petra Göttsche

Walter Johannsen:

Rudi Schröder

Volker Johannsen, sien Söhn:

Joachim Grabbe

Dr. Bolt:

Herta Mutschink

 

Achter de Kulissen

Speelbaas:

Herta Mutschink

Lüüd an de Siet:

Irmgard Ehrich,

 

Sigried Timm

Tosegger:

Søren Steffens

Prüük un Visaasch:    

Silke Lorenzen,

 

Karin Lorenzen,

 

Sybille Lettermann

Lüchtmoker:

Matthias Zander

Bühnbu:

Ellinor Rother,

 

Jürgen Schönlein,

 

Hans Klameth

 

Lütt beten wat to dat Stück

Ein Stück um das alte und doch immer neue Thema "Liebe". Diesmal nicht nur: "Kriegen sie sich oder nicht?", sondern "Dürfen sie sich kriegen oder nicht?" Da es sich ausschließlich um erwachsene Menschen handelt, eigentlich kein Anlass, einen ganzen Theaterabend damit füllen zu wollen. Und doch, geht es doch um Liebe im Alter. Hochaktuell eigentlich in einer Zeit, in der es immer mehr "neue, junge Alte" gibt, und in unserer Gesellschaft, in der Jugend (möglichst ewige), Schönheit (?) und Erfolg als erstrebenswert gelten und den Maßstab abgeben, an dem sich jeder messen lassen muss. In "Oh, düsse Öllern" zeigen Lieselotte Ölkers und Walter Johannsen, dass es sich auch im Alter lohnt, gegen allerlei Widerstand für sein Ziel zu kämpfen. Die Widerstände sind in diesem Fall die eigenen Kinder. Marianne Ölkers und Volker Johannsen sind verbiesterter als die "Alten".

 

Lütt beten wat to dat Stück

Theater ohne Medienrummel
"Oh, düsse Öllern"
Kunst wird heute vermarktet. Kommerztheater wie Konzerne beherrschen den Markt. Die scheußlichsten Blüten kamen mit "Cats" und "Phantom der Oper", ähnlich wie in der Buch-Bestsellerliste, werden die Stücke hochmanipuliert. Ganze Karawanen treten ihre Reise - gesteuert von Kirchen und anderen Organisationen - in das Theater-Mekka der Großstädte an. Von der Kleinkunstbühne will man nichts wissen, sie ist nicht profitabel genug. Bestimmte Stücken werden so ins Rampenlicht gestellt, daß die breite, dumme Masse sie sehen will. Tiefenpsychologie nennt man das. Die Gewinne sind enorm. Extra für ein Superstück wird ein Theater gebaut. Der Spielplan ist für Jahre total langweilig und spielt trotzdem Millionen ein. Nur ein Stück - das Superstück - gibt es und nach 5 Jahren Spielzeit akkumuliert sich die Investition - mit Höchstgewinn. Ganz Deutschland geht ins Theater. Wie "kunstbesessen" sind die Deutschen. Ein Wunder! Mitnichten, Kamerad Michel!
Theaterstücke werden wie Waschpulver verkauft. Dreck, nichts als Dreck bleibt nach. Vor kurzem rief mich eine Freundin an, um mich mit ins Theater zu nehmen. "Ein plattdeutsches Stück wie Ohnsorg", sagte sie. Bloß nicht das, dachte ich, denn der Heidi-Kabel-Schleim steht mir auch bis zum Hals. Da wird doch auch nur eine heile oder verstaubte Welt gefeiert. Die Überraschung war groß! Keine Fernsehbühne trat auf, sondern eine Volksspielbühne aus dem Hamburger Vorort Rissen. Die 300 Zuschauer, waren begeistert. Ein Lehrstück bester Qualität wurde gezeigt.
Es war ein Stück um das alte und doch immer neue Thema "Liebe". Im Programmheft: "Diesmal nicht nur: kriegen sie sich oder nicht, sondern dürfen sie sich kriegen oder nicht."
"Öh, düsse Öllern" (Oh, diese Eltern) hieß das netteste Stück was ich je gesehen habe. Die Romanze beginnt im Warteraum einer praktizierenden Ärztin. Hier lernen sich Lieselotte Ölkers und Halter Johannsen kennen, beide über 60 Jahre alt und verwitwet. Gebracht werden die beiden Alten von ihren Kindern, über 20 Jahre alt und ebenfalls noch nicht verheiratet. Die Jungen sind nur auf das Geld fixiert und wollen sich ein gemeinsames Geschäft aufbauen. "Partnerschaft" ist ihr Motto. Und so zeigen sie auch Unverständnis als die beiden Alten die "Liebe" entdecken. Mährend die Jungen sich verbiestern gegen die Alten, spielen Lisa Schröder als Lieselotte Ölkers und Rudi Schröder als Walter Johannsen die schönsten und echtesten Liebeszenen (wohl auch weil die Schauspieler im wirklichen Leben ein Paar sind). Die Hausärztin Dr. Bolt, von Herta Mutschink hervorragend dargestellt, tritt mit Dialogen bei jedem Akt vor Vorhang und Publikum und erklärt, wie sinnlos Tabletten gegen Krankheiten sind und das die beiden "sterbenskranken " Alten gesunden wenn sie die Liebe wieder entdecken.
Die Komödie von Alfonso Paso ist ein therapeuthisches Meisterstück. Das Geschehen auf der Bühne - so spüre ich - ergreift die alten Leute im Saal, macht ihnen wieder Mut an sich zu glauben. Ein göttlicher Zufall zeigte sich im ersten Akt, wo Lieselotte und Walter ihre Liebe entdecken. Als Walter meinte, es sei ja Frühlingszeit und seinen Kopf an die freigelegte Brust von Lieselotte legte, weil sie meinte, sie sei so krank, dass ihr Herz immer aussetze, flog ein bunter Schmetterling durch den Saal. Er flatterte über die Zuschauer, setzte sich dann auf den Tisch vor dem Liebespaar, machte wieder seine Runde über die Zuschauer und setzte sich wieder vor die Verliebten. Das tat er während der ganzen Szene von ca. 10 Minuten, so daß der Saal in Entzückung und Lachen ausbrach. Das Stück war so gut gespielt, daß es weder gekünstelt noch laienhaft wirkte. Die Schauspielerinnen - wohl gemerkt keine Profis - spielten "unter die Haut". Als ich Petra Göttsche, die Lieselottes Tochter spielte, nach der Veranstaltung im Foyer traf, sagte ich zu ihr: "Es war das Netteste, was ich seit Jahren gesehen habe. Spielen Sie auch mal in der "Hafenstraße", von dort komme ich!" Einen "Bambi" wird sie wohl nie bekommen und darüber können sie und die Rissener Volksbühne stolz sein.

(Verbandskritik)

 

Szenen-Fotos

 

 

Petra Göttsche - Lisa Schröder - Rudi Schröder - Joachim Grabbe

 

 

Lisa Schröder

 

Rudi Schröder - Lisa Schröder

 

 

Lisa Schröder - Rudi Schröder

 

 

Joachim Grabbe - Rudi Schröder

 

Herta Mutschink - Rudi Schröder

 

Lisa Schröder - Petra Göttsche

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Impressum