Wir über uns

 

Wi spelen in't Fröhjohr 1976:

"De tweismeten Kruuk"

 

No dat Lustspill vun Heinrich von Kleist

Plattdüütsch vun Hans-Helmut Nissen

Speelbaas: Heiner Tewes

 

 

Opföhrensdaag

Freedag, 2. Aprilmaand 1976

Sünnavend, 3. Aprilmaand 1976

Sünndag, 4. Aprilmaand 1976

Maandag, 5. Aprilmaand 1976

Dingsdag, 6. Aprilmaand 1976

 

Rullen un jüm ehr Spelers

Walter, Gerichtsraat:

Egbert Wieck

Adam, Dörpsrichter:

Rudi Schröder

Licht, Schriever:

Herbert Lettermann

Fru Marthe Rull:

Herta Mutschink

Eve, ehr Dochter:

Silke Lorenzen

Veit Tümpel, en Buer:

Dieter Kirschner

Ruprecht, sien Söhn:

Günter Schramme

Fru Brigitte:

Hilma Wieck

En Bedeenten, en Büttel:    

Jörn Schröder

Liese, Stalldeern:

Lisa Schröder

Grete, Huusdeern:

Sabine Mutschink

 

Achter de Kulissen

Speelbaas:

Heiner Tewes

Toseggersch:

Gertrud Felst

An de Siet:   

Christel Tewes

Prüük un Visaasch:

Vera Lenz,

 

Regina Braun

Kledaasch:

Silke Lorenzen

Lüchtmokers:

Herbert Lettermann,

 

Albin Novitski

Bühnenbau:

Uwe Fischbeck,

 

Kurt Lenz,

 

Alfred Bergel,

 

Jonni Teich

 

Gestalten und Gestaltung:

(entnommen aus "Heinrich v. Kleist oder Das absolute Ich" v. Günter Blöcker)

"Die Charaktere sind nicht für sich entwickelt, sondern ganz auf das Zusammen im Spiele komponiert wie in einem Bilde die Figuren. Je nach dem treten sie hervor, sind reicher und farbiger gesehen oder weichen zurück vor dem Gange der Handlung. Wenn sie jetzt auch im Streite liegen, so sind diese Menschen doch alle Mitglieder einer Dorfgemeinschaft, die in gleiches begrenztes Schicksal und eine enge Geschichte verbindet.

So steht auch Adam unter ihnen, und das gibt seinem Stammvaternamen noch eine besondere Schattierung. Alle kehren die Seite ihres Wesens heraus, die ihre Rolle in diesem Konflikte besonders rechtfertigt.

Ruprecht ist eine derbe, gesunde aber heißblütige eifersüchtig-vorschnelle Bauernburschennatur voll jugendlicher Kraft und offenherziger Gradheit;

Frau Marthe Rull das lärmende Weib, das in seinem heiligsten Innern, in seiner Mutterliebe und in seinem guten Namen durch die Verdächtigung der Tochter verwundet ist;

Veit der biedere in sich ruhende Mann aus dem Volke, dem Ehrlichkeit unter allen Umständen reflexionslose Selbstverständlichkeit ist.

In Adam entfaltet Kleist die strotzende Pracht seiner komischen Erfindungsgabe. Einmal hineingedrängt in die verteufelt schwierige Lage seines Selbstrichteramtes, wachen unter dem Drucke der Not erst Adams verborgene Anlagen auf, und er wird zum komischen Genie, dem Falstaff ebenbürtig. Unbekümmert um Übereinstimmung oder Widerspruch, wandelt er die Perücken- und Fallgeschichte in immer neuen Variationen ab, der Augenblick lockt ihn zum Überspringen aller Realität, und er hat, einmal erwacht, seine Lust an der so verkehrten Welt, in deren tollen Wirbeln er mitgerissen wird, gleichgültig wohin. So vervielfältigt sich seine Rolle und er potenziert sich selbst in ihre Vielzahl hinein, bald sich verratend, bald in genialem Zufall und triumphierend schwebend über der armseligen, nüchternen Wirklichkeit. Wort- und Situationswitze überpurzeln sich förmlich, was gedacht werden soll, wird gesprochen, was gesprochen werden soll, gedacht, Handlung und Absicht durchkreuzen sich, und in diesem erhabenen Durcheinander wächst Adam königlich empor mit dem Anspruch auf Eigengeltung dieser Genialität, die alle Fragen nach Schuld und Strafe unter sich lässt. Sein Interesse an dem sachlichen Verlaufe des Abenteuers beim Berichte Ruprechts lässt ihn alle Rücksichten auf sich selber vergessen, mit dem Burschen und Licht zusammen glüht er förmlich in der Wiederholung des Abenteuers aus der Erinnerung, und wenn er den "Blitzjungen", den Ruprecht, bewundert, spürt man, dass auch er einmal einer gewesen, dessen heißes Blut noch Spätherbsttriebe hervorgebracht hat.

Durch Licht, seinen seltsamen Sekundanten und falschen Helfer, kommt in das Rokokorankenwerk seiner züngelnden Witze erst die eigentümliche Beleuchtung, er gibt neue Durchblicke und verrät den bedenklichen Hintergrund. Die Perücken-, Perlhuhn- und Adamsfallgeschichte mit der Beschreibung des Ofens flechten sich schmückend und illustrierend durch das Abenteuer, und in ihrer Mitte erscheint der zerbrochene Krug mit seiner Geschichte für sich. In der Freude der barocken Schilderung hat sich hier der Dichter beinahe zu sehr in die Breite verloren. Die Lust an dem Fortspinnen der Komödie ins Unendliche, Grenzenlose hat ihn hier bestimmt. Sie gehört zum Charakter der Dichtung." (Friedrich Braig)

 

 

Presse

Es wird sicherlich immer ein Risiko für Amateuerbühnen sein, sich an einen "Klassiker" wie Kleists "Zerbrochenen Krug" heranzuwagen, in dessen Hauptrolle immerhin schon solche "Größen" wie Emil Jannings und Werner Krauss - um nur zwei zu nennen - glänzten. Auch vermag die Tatsache, daß die VB Rissen mit dem "Tweismeten Kruuk" die niederdeutsche Version des Lustspiels auf ihren Spielplan brachte, nicht darüber hinwegzutäuschen, daß dieses Stück, als Klassiker gespielt, für jede Amateurbühne mindestens eine Nummer zu groß sein muß. Wenn die Rissener trotzdem mit jeder ihrer fünf Aufführungen einen durchschlagenden Erfolg erzielten, so lag das sicherlich nicht zuletzt an der fabelhaften Einstellung von Spielleiter Heiner Tewes: "Ich habe versucht, mir den Ablauf der Handlung vorzustellen, bevor Kleist das Stück geschrieben hat!" So gesehen muß man ihm bescheinigen, seinem Publikum ein gut inszeniertes Lustspiel präsentiert zu haben. Rudi Schröder, als Dorfrichter Adam von Figur und Sprache schon der richtige Typ für die Rolle, verstand es in jeder Phase, sich richtig in Szene zu setzen. Obwohl sein Part stellenweise geradezu zum Übertreiben verführt, beherrschte er jederzeit das Geschehen und brachte sowohl weiche als auch harte Töne glaubhaft und überzeugend an. Da hatte es Egbert Wieck als Gerichtsrat Walter schon wesentlich schwerer, der in dieser Rolle völlig gegen seinen Typ spielen mußte. Um so bewundernswerter ist es, wie auch er sich jederzeit in der Gewalt hatte und mit einer Darstellung aufwartete, deren Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft nicht zu bezweifeln sind. Ein Debütant in der Rolle des Schreibers Licht war Herbert Lettermann. Auch er brachte eine durchaus ansprechende Leistung, wenngleich eine gehörige Portion "Schmierigkeit" und "Katzbuckligkeit" seinem Part wesentlich mehr Farbe verliehen hätte. Hier hätte von der Regie her noch etwas mehr gearbeitet werden müssen. Herta Mutschink brachte eine Frau Marthe Rull auf die Bretter, die unwillkürlich an das Lied von der bösen Schwiegermutter erinnerte. Robust und selbstbewußt beherrschte sie den überwiegenden Teil ihrer Rolle, ließ jedoch bei weichen Tönen ein wenig "Herz" vermissen. Ganz anders das Pendant dazu Silke Lorenzen als ihre Tochter Eve. Ihr zurückhaltender Charme und ihre Natürlichkeit bezauberte nicht nur ihren Ruprecht und den Dorfrichter Adam, sondern auch das ganze Publikum. Obwohl nur in wenigen Szenen im Vordergrund, spielte sie immer mit und ließ, besonders auch mimisch, keinen Wunsch offen. Dieter Kirschner, der den Bauern Veit Tümpel darstellte, war für mich eine glatte Fehlbesetzung. Das für diese Rolle erforderliche fehlende Alter kann man nicht einfach durch angegraute Haare und ein paar Falten im Gesicht ausgleichen (seine Maske war überhaupt sehr schlecht), sondern durch Beherrschung von Stimme und Bewegung ist auch ein Opa von einem jungen Mann darzustellen. Aber hier fehlte wohl einfach das Talent. Dieser Veit Tümpel spielte nie mit, saß meistens teilnahmslos da und war in jeder Phase unglaubwürdig. Warum wurde hier nicht umbesetzt? Unvorstellbar, wenn diese Rolle größer gewesen wäre. Ganz anders agierte dagegen Günter Schramme als Ruprecht. Er wartete mit einer großartigen Leistung auf und ließ an Echtheit nichts vermissen. Hilma Wieck stellte eine Frau Brigitte dar, auf deren Nachbarschaft wohl jeder Zuschauer gern verzichten würde. Eine gute Leistung, die genauso ansprach wie die kleinen Rollen von Jörn Schröder, Lisa Schröder und Sabine Mutschink.
Alfred Bergel, Jonni Teich, Kurt Lenz und Uwe Fischbeck erstellten ein hübsches Bühnenbild, das mir aber von der Aufteilung nicht ganz gefiel. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Dorfrichter, der sich eine Registratur leisten kann, sein Bett im Gerichtsraum stehen hat. Hier wäre zumindest eine angedeutete Trennwand angebracht gewesen.
Die Maskenbildnerinnen Vera Lenz und Regina Braun haben, bis auf die schon erwähnte Ausnahme, gute Arbeit geleistet.
Fazit: War man als Zweifler nach Rissen gekommen, um Vergleiche mit Berufsbühneninszenierungen und den schon anfangs erwähnten "Größen" anzustellen, so hätte man wohl besser den Abend vor dem Fernsehschirm verbracht. Hatte man aber den Weg in die Iserbargschule gewählt, um ein gutes, darstellerisch gekonntes niederdeutsches Lustspiel zu sehen, lag man bei der VB Rissen goldrichtig. Das beifallsfreudige Publikum würde das sicher bestätigen.

(Verbandskritiker Harry Engelhardt)

 

Als Frühjahrsstück dieses Jahres hatte die Volksspielbühne Rissen von 1955 e. V. unter der Spielleitung von Heiner Tewes „De tweismeten Kruuk" nach dem Lustspiel von Heinrich von Kleist dargeboten. Die gelungene Übertragung ins Plattdeutsche von Hans-Helmut Nissen brachte die Zuhörer oft zu großen Lachstürmen. Als sich der Vorhang in der Aula der Iserbarg-Schule zum ersten Bild hob bzw. zur Seite gezogen wurde, sah man wohl erstmalig auf unserer Bühne einen männlichen Hauptdarsteller in langen Unterhosen — und dieses köstliche Bild allein brachte schon gute Laune! Dem Dorfrichter Adam glaubte man durchaus die Schmerzen der gutgeschminkten Wunden, und der zielstrebige Schreiber Licht machte seinem Namen wirklich Ehre! Frau Marthe Rull zeterte um Kruke und Tochterehre, und Ruprecht ließ mit seiner offenen, einfachen Natur deutlich werden, daß er bald nicht mehr wußte, wem er glauben sollte. Sein Vater verlangte Ehrlichkeit, die junge Eve aber gab Anlaß zu Eifersucht. Der Gerichtsrat Walter brachte schließlich mit würdiger Strenge die Lösung des Falles dem Ende näher. Der Dorfgerichtsraum als Bühnenbild war liebevoll hergerichtet, und auch die Kostüme hatten viel sorgfältige Handarbeit und Mühe gekostet. Manche Kleidungsstücke konnten zum Glück vom Ernst-Deutsch-Theater entliehen werden, aber da mehrere „unserer" Schauspieler beinahe ein Gardemaß haben, mußten viele Kostüme in Rissen selbst geschneidert werden. Der Applaus an allen fünf Spieltagen war sicherlich der schönste Lohn für alle Arbeit — und dieser galt nicht nur sämtlichen Darstellern, sondern auch den vielen weiteren Mitarbeitern vor und hinter der Bühne.

(Rissener Bürgervereinszeitung)

 

Ab Freitag, dem 2. April, bis einschl. Dienstag, dem 6. April, jeweils um 20 Uhr spielt die Volksspielbühne Rissen in der Aula der Schule am Iserbarg in Rissen "De tweismeten Kruuk" nach dem Lustspiel „Der zerbrochene Krug" von Heinrich v. Kleist unter Spielleitung von Heiner Tewes.
Nun sagen Sie nicht gleich: „Ein Klassiker auf Plattdeutsch', und dann noch von einer Volksspielbühne gebracht", und denken dabei skeptisch an bekannte Film- und Fernsehfassungen. Hier handelt es sich um eine fast wörtliche, gelungene Übersetzung ins Niederdeutsche von Hans-Helmut Nissen.
Da Kleist den „Zerbrochenen Krug" in einem Dorfe nahe der niederländischen Stadt Utrecht spielen läßt, ist es nicht abwegig, den Dorfrichter Adam in seiner verzwickten Situation in Plattdeutsch immer neue Lügen erfinden und Frau Marthe Rull deftig um ihre zerdepperte Kruke in Plattdeutsch zetern zu lassen. Die Sprachverwandtschaft zwischen dem Niederländischen und dem Niederdeutschen ist offensichtlich.
Schwierig war es, die Kostüme zu beschaffen. Echte holländische „Holzschuhe" sind besonders schwer zu bekommen, dagegen konnten u.a. die „Koje" des Dorfrichters und das Schreibpult des Schreibers Licht in der Bühnenbauerwerkstatt der V.B.R. angefertigt werden. Wenn das Stück gefällt, ist der Applaus des Publikums immer noch der schönste Lohn für alle Arbeit. [...]
(Rissener Rundschau)

 

Theaterspaß in Rissen:
„De tweismeten Kruuk"
Rissen — Die Volksspielbühne Rissen lädt für fünf Abende zum Theaterspaß in die Aula der Schule Iserbarg ein: vom 2. bis 6. April geht hier jeweils von 20 Uhr das Stück „De tweismeten Kruuk" über die Bühne. Das Lustspiel von Heinrich von Kleist ist mit viel Liebe von Hans-Helmut Nissen ins Plattdeutsche übertragen worden. Auch Probleme mit den Kostümen konnten erfolgreich gelöst werden. Bärbel Fischbeck von der Volksspielbühne sagt: „Da die Komödie in Holland spielt, brauchten wir die entsprechende Kleidung. In unserem Theaterfundus gibt es diese nicht. Doch Rissenerin Silke Lorenzen wußte Rat. Sie wandte sich an das Ernst-Deutsch-Theater, wo sie in großem Umfange Kostüme erhielt." Die Rissener Theateramateure spielen das Stück mit viel Elan. [...]

(Elbe-Wochenblatt)

 

"Liebe Amateurspieler der Volksspierbühne Rissen!
Meine Hörer und ich bedanken sich recht herzlich für die Möglichkeit, bei Ihren Proben zu fotografieren. In unserer Dunkelkammer haben die Hörer einige Aufnahmen vergrößert. Ich darf Ihnen diese Fotos heute als Dank überreichen.
Wenngleich die Lichtverhältnisse nicht gerade optimal waren, haben wir doch einige brauchbare Aufnahmen zustande gebracht. Beachten Sie bitte, daß auch meine Hörer nur Laien sind und erst eine kurze Zeit fotografieren. Ich bin überzeugt, daß Ihnen die Aufnahmen gefallen werden.
Ich würde Sie gern mit anderen Hörern gelegentlich wieder besuchen. Unsere Gruppe wünscht Ihnen für die weitere Arbeit den gleichen Erfolg wie bisher!
Mit freundlichen Grüßen Volkshochschule Wedel Photokurse Dozent Kayo Heeschen"

 

Szenen-Fotos

 

 

Sabine Mutschink - Lisa Schröder

 

 

Herbert Lettermann

 

Herbert Lettermann - Rudi Schröder

 

Egbert Wieck

 

Silke Lorenzen - Herta Mutschink

 

Egbert Wieck - Rudi Schröder

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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