Wir über uns

 

Wi spelen in'n Harvst 1975:

"De Bürgermeisterstohl"

 

Nedderdüütsche Kummedi in 3 Törns

vun Adolf Woderich

Speelbaas: Rudi Schröder

 

 

Opföhrensdaag

Freedag, 24. Oktobermaand 1975

Sünnavend, 25. Oktobermaand 1975

Sünndag, 26. Oktobermaand 1975

Maandag, 27. Oktobermaand 1975

Dingsdag, 28. Oktobermaand 1975

 

Rullen un jüm ehr Spelers

Bohnsack, Bürgermeister:   

Heiner Tewes

Westphal, Amtssekretär:

Thomas Pfister

Tony, Plegersch:

Karin Ahmling

Mudder Klasen:

Anneliese Frank

Stine:

Minna Wehr

Mette:

Lita Helm

Lena:

Lisa Schröder

Willem:

Friedrich Schreiber

Hannes:

Erich Hübner

Peter:

Günter Schramme

Frieda:

Silke Lorenzen

Hinnerk:

Jürgen Wingberg

Düürkopp:

Alfred Bergel

 

Achter de Kulissen

Speelbaas:

Rudi Schröder

Toseggersch:

Gertrud Felst

Hülpslüüd an de Siet:   

Christel Tewes,

 

Karin Lorenzen

Prüük un Visaasch:

Vera Lenz,

 

Regine Braun

Lüchtmokers:

Herbert Lettermann,

 

Albin Novitski

Bühnenbau:

Alfred Bergel,

 

Kurt Lenz

 

Lütt beten wat to dat Stück

Ein Altersheim in einer Kleinstadt - jeder Bewohner ist ein Schicksal für sich allein. Doch anstatt sich den Lebensabend so gemütlich wie möglich zu machen, anstatt sich auszuruhen vor den Turbulenzen des Lebens, streiten die Alten um hundert Kleinigkeiten, geraten ob der kleinsten vermeintlichen Bevorzugung des anderen aufs Gröbste aneinander. Da ist Stine, die schon ihren 85sten Geburtstag feiern darf, und just zu diesem Feste erscheint der Bürgermeister persönlich, um seinem Amtssekretär das Altersheim zu zeigen. Als besondere Gabe für die alten Leutchen hat sich Bürgermeister Bohnsack etwas ausgedacht: einen repräsentativen Lehnstuhl, auf dem der oder die jeweils Älteste sitzen darf. Die 85jährige Stine, im Augenblick die Älteste, hat leider nicht lange Freude an diesem schönen "Bürgermeisterstohl", den die anderen ihr bereits nach Kräften neideten, sie muss ihn schon bald gegen die letzte Ruhestätte tauschen. Nach ihrer Beerdigung entbrennt der Streit um den Stuhl aufs neue, wird aber wegen der Ankunft einer "Neuen" im Moment etwas hintangestellt. "Mudder Klasen" wird gegen ihren Willen von Sohn und Schwiegertochter "eingeliefert". Völlig verzweifelt denkt sie an ihren anderen Sohn Hinnerk, der im fernen Amerika weilt. Einzig Schwester Toni, der gute Geist des Hauses, vermag Mudder Klasen etwas zu trösten. Als sich aber herausstellt, dass ausgerechnet die "Neue" die Älteste ist und somit Anspruch auf den Sessel hat, erfüllen bitterer Zank und Streit die Räume. Mudder Klasen macht sich nützlich, so gut sie kann, und will auch bleiben, als Sohn und Schwiegertochter sie plötzlich und schnellstens wieder mit nach Hause nehmen wollen. Mit freudigem Schrecken erkennt sie, dass hinter dieser überstürzten Aktion nur ihr Sohn Hinnerk aus Amerika stecken kann, und wirklich schließt sie den Zurückgekehrten bald glücklich in die Arme. Für Hinnerk, der sich einen Hof kaufen will, ist die Mutter unentbehrlich. Voller Freude und Dankbarkeit verlässt Mudder Klasenn das Altersheim und hört nicht mehr, dass mit einem Male niemand mehr auf den vorher so heiß umstrittenen Stuhl reflektiert, weil plötzlich niemand am ältesten sein will. Die salomonische Entscheidung kommt vom Bürgermeister, der beschließt, allen Querelen ein P vorzusetzen, indem er jedem Alten einen eigenen "Bürgermeisterstohl" beschert.

 

Presse

Ein heiteres niederdeutsches Theaterstück, welches die VB Rissen vom 24. bis 28. Oktober mit großer Besetzung in der Aula der Schule am Iserbarg aufführte, war bis zum letzten Tag sehr gut besucht. Ein Beweis, daß diese Komödie beim Rissener Publikum gut ankam.
Den Insassen eines Altersheims in einer Kleinstadt wurde vom Bürgermeister ein Lehnstuhl für die älteste Insassin gestiftet, eine 85jährige alte Dame, die 100 Jahre alt werden wollte, aber dann doch bald starb. Während vorher alle Insassen diesen Lehnstuhl gerne selbst in Besitz genommen hätten, war nach dem Tode der alten Dame bei den übrigen Insassen männlichen und weiblichen Geschlechts plötzlich kein Interesse mehr an dem Lehnstuhl vorhanden. Grund: niemand wollte der oder die Älteste sein. Als Lösung aus diesem Dilemma schlug der Amtssekretär des Bürgermeisters vor, jedem Insassen einen Lehnstuhl zu stiften, was zur Begeisterung der Alten dann auch bald geschah.
Der Verfasser dieser Komödie, Adolf Woderich, hat es treffend verstanden, das Interesse der Zuschauer ständig wach zu halten. Die witzigen Bemerkungen sowohl der männlichen als auch vor allem der weiblichen Bewohner des Altersheims lösten wiederholt tosenden Beifall aus. Die Verlobung des Amtssekretärs mit der Schwester im Altenheim rundete das Geschehen ab. Ohne Liebe geht es eben nicht.
Die Amateurspieler haben sich gut in ihre Rollen eingefunden. Berufsschauspieler hätten es nicht besser machen können. Die Dekoration, Beleuchtung! sowie die Masken waren gekonnt.
Der große Beifall, besonders nach Schluß der jeweiligen Aufführung, bewies, daß der VB Rissen wieder einmal ein gutes Theaterspiel gelungen ist.

(Verbandskritik)


Zwanzig Jahre Volksspielbühne Rissen: Fünf Theaterabende zum Jubiläum
Rissen — Die Volksispielbühne Rissen feiert Jubiläum: genau zwanzig Jahre ist es her, daß Gustav Felst, Lita Helm und Walter Brock die Theaterspielgruppe gründeten. Im Laufe der Jahre hat das Schauspielerteam eine Perfektion erreicht, die schon fast nicht mehr zum Begriff „Amateurspiel" paßt. Dennoch sind es „nur" Hausfrauen und Berufstätige, die nach Feierabend in ganz andere Rollen schlüpfen. [...] Bärbel Fischbeck von der Volksspielbühne: „Wir wollen das Publikum nicht nur unterhalten, sondern ihm auch ein herzhaftes Lachen entlocken. Wir hoffen sehr, daß uns das gelingt!"
Früher hieß es oft: „Laßt doch mal die Jugend ran!" Jetzt, im „Bürgermeisterstohl" lautet das Motto: „Nun sind mal die Senioren dran!" Als Darsteller von Altenheimbewohnern bietet sich die beste Gelegenheit dazu. Lita Helm übernahm mit ihren 78 Jahren die Rolle der Mette, Minna Wehr, 73 Jahre alt, spielt die betagte Stine. Theatererfahrung hat sie reichlich, denn schon als dreijähriges Mädchen könnte man sie im damaligen Ernst-Drucker-Theater (heute St. Pauli-Theater) bewundern. „Ziemlich neu" ist hingegen Anneliese Frank bei der Rissener Volksspielbühne. Für ihre Rolle als Mudder Klasen bringt sie so gut wie keine Praxis mit, sieht man einmal von einer Statistenrolle in dem Stück „Rund um Kap Hoorn" ab. Zwar gehört sie schon seit 1969 den Rissener Amateurspielern an, doch auch einmal als Darstellerin auf der Bühne zu stehen — das hatte sie sich nie träumen lassen. Anneliese Frank hatte nur die Geselligkeit gesucht und wollte in der plattdeutschen Theatergruppe diese Mundart pflegen. Spielleiter Rudi Schröder, der seine Erfahrungen auf Lehrgängen des „Bundes Deutscher Amateurtheater" austauscht und vervollständigt, gibt sich optimistisch: "Alle Darsteller sind großartig. Auch Veteranen können noch eine Menge leisten!"

(Elbe-Wochenblatt)

 

Der Polizist, der gerne vor aller Augen küßt!
Nach Dienstschluß ist er Theaterchef
Ein Polizeihauptmeister aus Blankenese (Revierwache 27) arbeitet nach Dienstschluß schwarz — als Theaterdirektor. Egbert Wieck (51) leitet die „Volksspielbühne Rissen", die seit 20 Jahren niederdeutsches Theater macht — vor ausverkauften Häusern.
Denn: „Wir sind die billigste Bühne", sagt Wieck, "drei Mark Eintritt genügen uns, weil alle aus Idealismus mitmachen."
Alle, das sind 8O Bürger aller Berufe, die keinen Pfennig Gage wollen.
Besetzungsschwierigkeiten gibt's dennoch: "Julias haben wir genug, nur Romeos nicht.
Putzig: Die jungen Leute mögen nicht küssen. Ich würde schon wollen", lacht Wieck, "aber glauben Sie, für mich gäb's eine Rolle mit Liebesszene? Ich soll immer den Schutzmann spielen..."

(Hamburger Morgenpost)

 

[Dieser Artikel sorgte für Aufsehen Red.]

Kaum sind die fünf Theatertage vergangen, heißt es fast schon wieder: auf ein Neues! Unser Weihnachtsmärchen ist nämlich in Vorbereitung. Doch zuvor noch ein paar Bemerkungen zum "Bürgermeisterstohl". An vier Tagen war die Aula am Iserbarg fast gefüllt, am Sonnabend sogar ausverkauft. Das können bei weitem nicht alle Volksspielbühnen im Großraum Hamburg so hocherfreut kundtun, im Gegenteil, manchmal müssen die Akteure vor spärlich besetzten vier Reihen spielen. Erst kürzlich ist uns zu Ohren gekommen, daß die anwesenden acht (!) Zuschauer nicht das angekündigte Stück zu sehen bekamen, sondern mangels Masse von der Spielleitung zum Sekt eingeladen wurden. - Die meisten Volksspielbühnen (zusammengeschlossen unter dem Dachverband Volksbühnenkunst Hamburg e.V.) inszenieren sechs Stücke im Jahr und darüber (die VBR zwei und das Weihnachtsmärchen). Dabei bleibt es häufig nicht aus, daß die Qualität unter der Quantität leidet, zumal alle Akteure nebenbei ihren Beruf haben. Es wird unserer Meinung nach auch oft der Fehler begangen, sich mit hochmodernen Stücken, die das Berufstheater spielt, zu überfordern. Außerdem weiß man ja, wie sehr die Massenmedien Funk, Fernsehen, Kino usw. doch zur nicht zu unterschätzenden Konkurrenz für das lebendige Theater werden können. - Großes Gewicht wird bei der VBR auf die Werbung gelegt: außer Schaukästen, Plakaten, Wurfzetteln werden Zeitungen und Zeitschriften der Elbgemeinden angeschrieben. Sehr wirkungsvoll ist die sog. Mundpropaganda, das Mobilmachen von Verwandten, Bekannten und Kollegen. Das persönliche Engagement hat Hochkonjunktur. Das Thema der Publikumsgewinnung soll hier auch nur gestreift werden, das eigentliche Problem ist vielschichtiger und diffiziler.
Wir, die VBR, sind froh und dankbar, vor vollem Saal spielen zu dürfen. Wenn auch nicht jedes Stück ein Höhepunkt sein kann (dem einen oder anderen Zuschauer war der "Bürgermeisterstohl" stellenweise zu besinnlich), so sind wir doch der Meinung, mit unserem niederdeutschen Angebot auf dem rechten Weg zu sein.
So, und nun zum Weihnachtsmärchen "Schneewittchen". Für dieses "Riesenstück" Arbeit hat Frau Hilma Wieck die Spielleitung übernommen. Und keine Angst, auf der Bühne geht es entgegen mancherlei Befürchtungen seitens der Eltern keineswegs grausam zu. Die einzelnen Szenen sind durch kleine Tanzeinlagen und spaßige Märchenfiguren aufgelockert. Und zum Schluß kommt wie immer der Weihnachtsmann. B. F.

(Bärbel Fischbeck in der Rissener Rundschaz)

 

[Leserbrief als Antwort auf den obenstehenden Artikel Red.]

In der November-Ausgabe Ihres Blaues las ich einen Artikel, der mich einigermaßen in Erstaunen versetzte. Es handelt sich um die "Lobeshymne" der Volksspielbühne Rissen auf sich selbst. Warum muß man sich und seine Arbeit so hervorheben, daß der Eindruck entsteht, andere Laienspielgruppen würden im Gegensatz zur VBR überhaupt nichts können oder fast alles falsch machen. Als langjährige Leserin Ihrer Zeitschrift weiß ich, daß regelmäßig Berichte über die VBR unter dem Zeichen B.F. erscheinen. Bisher waren sie auch immer recht objektiv geschrieben. Ist der Verfasserin der Erfolg, der ohne Frage zu verzeichnen ist, zu Kopf gestiegen? Da ich auch regelmäßig die Aufführungen der Rissener Laienspielgruppe besuche (die ich im Übrigen für sehr gelungen halte!), finde ich derartige Äußerungen außerordentlich unpassend (und sicher denken viele Leser so!) Die VBR hat es gewiß nicht nötig, andere Amateurgruppen, die sich mit Sicherheit ebensoviel Mühe geben, mit derart billigen Worten schlecht zu machen. Ich bin der Meinung, daß der persönliche Einsatz aller Akteure, auch, wenn sie "nebenbei" (wie B. F. schreibt) ihren Beruf haben und nicht gerade zur VBR gehören, anerkannt werden muß! Es entsteht der Eindruck, daß man hier eine bestimmte Theaterspielgruppe meint, die vielleicht sogar besser ist als die VBR. Ob es sich so verhält, wie ich vermute, mag dahingestellt bleiben. Auf jeden Fall hat B. F. mit diesem selbstgefälligen Artikel das Ansehen der VBR nicht gerade gefördert. E. H.

(Leserbrief in der Rissener Rundschau)

 

[Antwort auf den Leserbrief Red.]

Prosit 1976! Nach den Tagen der Ruhe und Entspannung kann das neue Jahr nunmehr seine Forderungen stellen. Für die niederdeutsche Fassung von Kleists "Zerbrochenem Krug" wird unter Spielleitung von Heiner Tewes bereits eifrig geprobt: "De tweismeten Kruk" (mit stilechten Kostümen!) soll im April aufgeführt werden.
Zu dem kritischen Brief einer Leserin aus der Dezember-Ausgabe der 'RR' möchten wir anmerken:
1. Die Volksspielbühne Rissen von 1955 e.V. ist eine Amateurbühne, keine Laienspielgruppe.
2. Jede Aussage in dem kritisierten November-Artikel der V.B.R., den Zuschauermangel bei einigen Volksspielbühnen betreffend, (das hat in den wenigsten Fällen mit negativer Leistung zu tun!) kann jederzeit belegt werden.
3. Es ist von keiner "bestimmten Bühne" die Rede gewesen. Mit allen Hamburger Amateurtheatern verbindet die VBR (auch dem Bund Deutscher Amateurtheater angeschlossen) ein freundliches Verhältnis, teils sogar über die Basis des gemeinsamen Hobbies hinaus.
4. Die sogenannte "Lobeshymne" ist primär ein Dankeschön an das Publikum, das es der Rissener Volksspielbühne erst hier im Ort möglich macht, sich in der günstigen Situation gutbesuchter Vorstellungen zu befinden, sekundär ein Lob an alle, die unentgeltlich, aus Idealismus und aus Freude an der Sache zum Gelingen einer Aufführung beitragen. Objektive (!) Kritik ist uns stets willkommen, zu einem klärenden Gespräch sind u. a. der 1. Vorsitzende und der Geschäftsführer gern bereit. Wir bitten Frau E. H. zu einem persönlichen Gespräch, vielleicht an einem unserer gemütlichen "Klönabende", die an jedem 1. Sonnabend im Monat im "Restaurant Gielnik" am Rissener Bahnhof stattfinden?B. F.

(Bärbel Fischbeck in der Rissener Rundschau)

 

Lita Helm (ein Portrait-Versuch)
G. Luschen
Lita Helm gehört dem Geburtstag nach (23. 10. 1897) noch ins vorige Jahrhundert, doch für jeden, der sie kennt, ist sie ein aktiver, fröhlicher Mensch unseres heutigen Lebens in Rissen. Immer ist sie dem Leben in all seiner Farbigkeit zugewandt. Wo hat sie das her?
Die Familie des Vaters Robert Hermans stammt aus dem holländischen Grenzgebiet, der Großvater war noch Holländer, Lita Helms Vater war Königlich-Preußischer Eisenbahnbeamter. Die Mutter, eine geborene Petersen, war Dänin, und beide Eltern waren fröhlich und unterstützten die Ideen ihrer Tochter. Zuerst besuchte Lita die Höhere Töchterschule in der Allee in Altona. Zwei Wünsche hatte sie für die Zukunft. Lita wollte Ingenieurin werden und war schon bei einem Elektriker für das notwendige Praktikum angemeldet, doch nahm die Technische Fachschule damals noch keine Mädchen auf. So begann die verhinderte Ingenieurin mit dem Musikstudium, vor allem mit dem Klavierspielen.
Nebenher lief, eifrig vom Vater unterstützt, die Arbeit im Theaterverein „Tannhäuser". Schon mit 15 Jahren stand sie dort in der Rolle eines Waisenkindes im Weihnachtsmärchen auf der Bühne und bewältigte auch spielend eine Panne (der Partner verpaßte seinen Auftritt). In die Berufspläne griff dann hindernd der Weltkrieg 1914/18 ein. Danach erlernte Lita Hermans in einer Detektei den Kaufmannsberuf, und zwar sehr gut. Während des Krieges heiratete sie den jungen Versicherungsbeamten Helm.
Es war ein schwieriger Beginn so mitten im Krieg. Hunger und Kälte standen oft Pate. Nach dem Krieg begann man wieder das kulturelle Leben aufzubauen. „Die Bühnengesellschaft für Sing-und Schauspiel" wurde gegründet, und die Helms waren dabei. Lita Helm konnte nun ihren künstlerischen Neigungen nachgehen. Sie tat es intensiv und erfolgreich. Sie spielte in Sudermanns „Heimat" sowohl die Magda wie die Rolle der Mutter. In der „Fledermaus" sang sie die „Ida" mit ihrer noch heute so herrlich klingenden Stimme. Auch das „Hederl" im „Dreimäderlhaus" war eine Gesangsrolle. In Oscar Wildes Drama „Lady Windermeers Fächer" spielte sie die Lady und im „Idealen Gatten" die Hauptrolle der Gattin, um nur einige Rollen zu nennen. Es waren herrliche Jahre für das junge Paar. Viel war man mit der Bühne unterwegs. Es wurden Gastspiele in den Nachbarstädten gegeben, aber auch in die weitere Umgebung bis nach Heide, ja nach Rotenburg und Hannover ging es.
1934 war diese Zeit beendet, man zog nach Rissen, wo Lita Helms erste Tochter geboren wurde. Und nun gab sich die junge Mutter ganz dieser schönen Aufgabe hin. Wieder dauerte die gute Zeit nur wenige Jahre. 1939 hieß es wieder: Krieg! — Viele von uns wissen: Krieg zerstört die Leben der Menschen. Lita Helm wurde eingezogen und leitete nun bis zum Ende des Krieges die Fernschreibstelle des Luftgaukommandos Blankenese. Die Tochter wurde von der Oma betreut. In Kriegsjahre fiel auch die Silberhochzeit, wie seinerzeit die Hochzeit. 1945 begann man wieder aufzubauen. Lita Helm machte jetzt in Rissen bei der Säuglingsfürsorge mit und half Schwester Hanna und Dr. B. bei der Arbeit. Aus dieser Zeit kennen sie so viele Menschen hier im Ort. Auch viele junge Menschen grüßen sie strahlend. Kinder sind ja dankbar für Fürsorge und erinnern sich, wer mal mit ihnen gelacht hat, wenn sie sich eigentlich fürchteten.
1955 traten dann Walter Brock und Gustav Fels an Lita Helm heran. Man wollte einen Theaterverein gründen. Natürlich gründete sie mit. „Die Volksspielbühne Rissen von 1955 e. V." entstand. Anfangs lief der Tespiskarren gar nicht, dann jedoch gewann Walter Brock Herrn Fritz Kruse als Spielleiter, und bald schaffte man es. Zuerst gab es 1959 ein Weihnachtsmärchen. Lita Helm war sofort bereit, sich als „Flüstertante" (Souffleuse) einspannen zu lassen. Sie erinnert sich noch, wie sie das erstemal — im Dezember — vor der Bühne im damaligen „Heidehaus" in einem sehr engen Flüsterkasten sitzen mußte, in dem es auch noch fürchterlich zugig war. Aber die Arbeit machte ihr soviel Spaß, daß sie bis heute in der Volksspielbühne Rissen aktiv mitmacht — zuletzt im Herbst 1975 im Stück „De Bürgermeisterstohl".
Auch für andere Rissener Belange war und ist Lita Helm immer offen. Werbung für die Quickborn-Abende, Teilnahme im Bürgerverein, jetzt macht sie selbstverständlich im Samariter-Haus mit und als Neuestes organisiert sie Besuche im Ohnsorg-Theater. Vor zwei Jahren war Lita Helm lange Zeit sehr krank, aber auch diese Zeit hat sie tapfer und bewundernswert durchgestanden. Nun lacht sie wieder fröhlich in den Tag hinein, ihren Mitmenschen zur Freude und zur Ermunterung.

(Rissener Rundschau)

 

Szenen-Fotos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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