Wir über uns

 

Wi spelen in'n Harvst 1972:

"De Winkelavkaat"

 

Nedderdüütsche Kummedi in dree Törns

vun Robert Eildermann

Speelbaas: Heiner Tewes

 

 

Opföhrensdaag

Freedag, 27. Oktobermaand 1972

Sünnavend, 28. Oktobermaand 1972

Sünndag, 29. Oktobermaand 1972

Maandag, 30. Oktobermaand 1972

Dingsdag, 31. Oktobermaand 1972

 

Rullen un jüm ehr Spelers

Willem Winkelmann, Avkaat:

Rudi Schröder

Mile Steen, sien Huushöllersch:

Elfi Bergel

Korl Büsing, Bäckermeister:

Günter Schramme

Heike, sien Dochter:

Silke Lorenzen

Dina Hartjen, Wittfru:

Lisa Schröder

Henning, ehr Söhn:

Gerd Hackelberg

 

Achter de Kulissen

Speelbaas:

Heiner Tewes

Toseggersch:

Gertrud Felst

Hölpersch an de Siet:     

Christel Tewes

Lüchtmoker:

Herbert Lettermann

Prüük un Visaasch:

Vera Lenz

Bühnenbau:

Uwe Fischbeck,

 

Alfred Bergel

 

Lütt beten wat to dat Stück

Avkaten hebbt al jümmer op de Breder stahn, de de Welt bedüden doot. Dat de Avkaten mehrstendeels in Kummedien to sehn sünd, ofschoonst se jo en eernsthaftig Amt to bedrieven hebbt, is de Spaaß, den dat Volk (Publikum) an so'n Aart vun Lüüd geern hebben will. Över de to lachen, de in Amt un Rang en beten höger staht as de annern, is al jümmer en groten Spaaß west. Anners is jem jo ok man slecht or gor nich bitokamen. Över den een lacht, de kann ok geern mol unrecht doon, wenn he op düsse Wies den Giezkragen dat backige Geld ut de Taschen haalt, wenn he den Prahlhans op en fiene Aart bibringt, dat he vör luter Muul gor nich mehr to sehn is, or wenn he dat junge Paar, dat sik mit den besten Willen nich kriegen kann, so vigeliensch stüürt, dat dat sik eenfach kriegen mutt. En Avkaat, de so an't Warken is, is bi sien Kollegen nich goot ansehn, se kiekt em över de Schuller an, treckt de Nees kruus un seggt minnachtig: Winkelavkaat. Düt warrt denn ok vun Willem Winkelmann (nomen est omen) seggt. Man he deit, wat he kann. Un schull dat eenmol anners utlopen, anners as dat sien Afsicht west is, denn... Nee, dat mutt een sehn un hören, dat mutt een beleven.

 

Presse

Ein liebenswerter Advokat
Einen vollen Saal brachte der Volksspielbühne Rissen ihr Herbststück „De Winkelavkaät" des niederdeutschen Schriftstellers Robert Eildermann in der Schule Iserbarg. Das Publikum hatte seine Freude an der geschickten Hand des hochgestellten Herrn Advokaten, der seinen lieben Mitmenschen hilfreich unter die Arme greift, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Er holt dem Geizigen das Geld aus der Tasche und weist den Prahlhans in seine Grenzen. Aber auch das junge Paar, das Schwierigkeiten hat, sich näherzukommen, lenkt er auf die richtigen Bahnen. Diese nichtstandesgemäßen Nebenbeschäftigungen sind dem Renommee des Herrn Advokaten nicht gerade dienlich. Seine Kollegen haben auch gleich einen bezeichrienenden Namen für ihn zur Hand. Fortan ist er der „Winkeladvokat". Das schert den Betroffenen wenig. Er tut weiter, was er nicht lassen kann, und wenn es einmal schiefgeht, dann weiß er sich auch zu helfen. Das Publikum spendete den Winkelzügen des Advokaten, der zügigen Inszenierung und der vorbildlichen Ausstattung lebhalten Beifall.

(Norddeutsche Nachrichten)

 

„De Winkelavkaat"
Sehr frei nach Schiller möchte ich sagen: „Der Not gehorchend nicht dem eignen Triebe, tret ich, als Kritikaster vor Euch her." Jeder, dem der akute Spielbetrachtermangel in unseren Reihen bekannt ist, wird sich vorstellen können, mit welch flammenden Worten E. P. einem den informatorischen Hauptzweck unseres Verbandsblattes klarzumachen weiß.
So angesprochen, sieht man sich gezwungen, eigenes Phlegma zu bekämpfen, und sich an die etwas heikle Aufgabe des „Kritisierens" zu machen. Am 28. 10. fuhr ich denn nach Rissen, um mir das Stück „De Winkelavkaat' anzusehen. Um es gleich vorwegzunehmen: der Titelpart wurde von Rudolf Schröder hinreißend verkörpert. Durchaus verständlich also, wenn am Premierenabend der anwesende Autor, Robert Eildermann, höchst erfreut geäußert hat: „Endlich ist mein Stück einmal so aufgeführt worden, wie ich es mir immer gewünscht habe!" Eine hübschere Anerkennung kann es wohl kaum geben.
Nun zur Handlung: An der Spitze Willem Winkelmann, de Avkaat. Listig versucht er, einem Bäckermeister und dessen Gegenpart, einer Witwe, die nach Höherem strebt, jeweils das Grundstück des Anderen zu verkaufen. Als das letztlich schiefläuft und sein erhoffter Gewinn ausbleibt, steht dieser Schlingel dennoch mit fast weißer Weste da: Er hat — angeblich — alles nur eingefädelt, um den Kindern der Kontrahenten zu helfen. Sie möchten heiraten, und Bäckermeister wie Witwe geben — bis dahin ahnungslos — ihre Einwilligung. Ihre Entrüstung über den Winkelavkaaten, der sie schändlich angeschwindelt hatte, bringt sogar zustande, daß beide Gegner in schöner Eintracht abziehen. Wie Rudi Schröder diesen verschlagenen Burschen hinlegte, der trotz aller Winkelzüge sympathisch blieb, das war schon eine komödiantische Leistung! An allem maßgebend gefingert hatte seine „Huushöllersch", Mile Steen (Elfi Bergel). Trotz aller Bemühungen kam die Arme nie an den ersehnten Cognac. Ein trauriges Los! Im letzten Akt mußte sie sagen, daß sie auf die paar kümmerlichen „Piepen" ihres Arbeitgebers ja gar nicht angewiesen sei. Das erklärte dann, wie der sich überhaupt eine so adrette, proppere Kraft leisten konnte.
Die Witwe Dina Hartjen (Lisa Schröder) war besonders wirkungsvoll in einer kleinen Schwips-Szene. Keine leichte Sache, die sie mit viel Charme löste. Der Darsteller des Bäckermeisters Büsing (Günter Schramme) hatte die schwierige Aufgabe, gut 20 Jahre älter erscheinen zu müssen. Zum Glück brachte er Statur und Stimme dafür mit. Im Vorjahr sah ich ihn in einer Rolle, die ihm altersmäßig mehr entgegenkam, und bin daher sicher, daß er auch künftig im Charakterfach noch viele schöne Leistungen zeigen wird.
Nett anzusehen, munter und echt: die Bäckerstochter Heike (Silke Lorenzen). Der Witwensohn Henning (Gerd Hackelberg) soll, wie ich hörte, erstmals mitgewirkt haben. Kaum zu glauben. Er wirkte sehr frei und natürlich. Offenbar eine Begabung.
Der Spielleiter Heiner Tewes hatte für gutes Stellungsspiel gesorgt. Wenn es ab und an mal kleine Textverzögerungen gab, so nehme ich an, daß sie gewiß dem allerorts gefürchteten „zweiten Abend" zuzuschreiben sind. 2 Punkte möchte ich — und diese ganz allgemein — ansprechen dürfen:
1. Liebesszenen geraten bei fast allen Amateur-Aufführungen meist etwas dünn.
2. Die kurze Mode ist auf der Bühne allemal ein kleines Problem! (Warum, warum, warum — ist doch kleines Problem die große Mode. Die Red.) Reizend war — wie gewohnt in Rissen — das Bühnenbild gestaltet. Besonders nett aber ist es, dort in allen Dingen das Gefühl zu haben, das alles — auch das Programmheft — mit viel Sorgfalt und Mühe vorbereitet wird. Das beginnt bereits im Foyer, wo man ausgezeichnete Szenenfotos und sehr hübsch angelegte Alben anschauen kann. Eine nett genützte Möglichkeit, den Gast zu informieren und in Pausen zu unterhalten. Mit einem Wort: Man fühlt sich wohl in Rissen.

(Verbandskritik)

 

De Winkelavkaat
Ein vergnüglicher Theaterabend ohne lange Anfahrtszeit, ohne Parkplatzsorgen und ohne Garderobenobolus - wo gibt es das heute noch? Das gab es Ende Oktober in der von der Volksspielbühne Rissen in Szene gesetzten der Aula der Schule Iserbarg. Wer am Samstag zu spät kam, mag während des ersten Aktes noch überlegt haben, ob er dree Törns lang seine Beine werde strapazieren können. Je weiter jedoch der Abend fortschritt, desto intriganter wurde der Winkelavkaat in seinem Geschäftsgebaren und desto mehr wuchs der Widerstand der Beinmuskulatur. Um den listigen Machenschaften des Advokaten folgen zu können, mußte man sich allerdings seiner im Verborgenen schlummernden plattdeutschen Kenntnisse erinnern. Diese wurden durch die treffende Gestik und Mimik der Darsteller zu Höchstleistungen angespornt. Der häufige Applaus auf offener Szene machte deutlich, daß keine zweideutige Anspielung oder gar eine eindeutige Bemerkung unverstanden verhallte. Kurzum: Es war ein gelungener Theaterabend, an dem vielleicht am meisten auffiel, daß die Zuschauer in hellen Scharen strömten, während andere größere Theater zuweilen vor leeren Plätzen spielen. Suchen wir nach den Gründen für dieses Wohlgefallen, so kann man folgende anführen: Eine Komödie - diese ist von Robert Eildermann geschrieben worden und stand unter der Spielleitung von Heiner Tewes - ist die richtige Kost für den tapferen Theaterbesucher, der am Samstagabend den bequemen Fernsehsessel mit einem harten Aulastuhl vertauscht. Ein weiterer Grund ist die Mundart, in der vorgetragen wurde. Der Freund und Kenner der niederdeutschen Mundart wird sich über die akustischen Leckerbissen dieses Abends besonders gefreut haben. Vor allem aber seien die Schauspieler genannt, die uns eine amüsante Geschichte vortrugen vom Grundbesitz und dessen gewinnbringendem Verkauf und von der List eines Advokaten, der alle übers Ohr haut, die andere hereinlegen wollen, und der damit nicht nur das Recht wiederherstellt, sondern auch noch dem Liebespaar ein Happy End beschert. Die Darsteller hatten offensichtlich nicht nur Lust und Laune zum Schauspielern, sondern auch das dazugehörige Talent. Allen voran der Intrigant Willem Winkelmann, der sich im Laufe der Handlung die Bezeichnung "Mann" verspielt und dafür die etwas degradierende Titulierung "Winkelavkaat" einheimst. Rudi Schröder spielte diese Rolle mit sicherem Instinkt für die Komik, die darin liegt, daß er ganz anders handelt, als es jedermann von ihm erwartet. Was wäre der Winkelavkaat aber ohne sien Huushöllersch Mile Steen, und was wäre dieser Abend ohne die so gelungene Wiedergabe dieser Person, die über ein gerütteltes Maß an Bauernschläue und gesundem Selbstbewußtsein verfügt! Die Huushöllersch Elfi Bergel war sehr eindrucksvoll. Es ist müßig zu fragen, wer mehr zum Gelingen des Abends beigetragen hat, die Mile Steen oder der Avkaat, der Bäckermeister (Günter Schramme) und seine Kontrahentin, die Wittfru Dina Hartjen (Lisa Schröder) beeindruckten nicht nur durch den reichlichen Genuß von Cognac. Das Liebespaar (Silke Lorenzen und Gerd Hackelberg) konnte gegen die gewichtigen Schauspieler nur mit Charme und der Liebenswürdigkeit der Verliebten ankommen, die sie voll ausspielten. Zum Schluß gab es anhaltenden Beifall.

(Verbandskritik)

 

Auch der Autor war begeistert von Rissener Volksspielbühne
Rissen. Fünf Abende lang wurde bei vollem Haus in der Aula der Schule Iserbarg „De Winkelavkaat" von Robert Eildermann gespielt. Plattdeutsch kommt hier in Rissen immer gut an, und die Erwartungen, wenn eine niederdeutsche Komödie auf dem Spielplan steht, sind immer hoch. Die Zuschauer wurden nicht enttäuscht. Das Ensemble brachte das Bühnenstück prachtvoll heraus.
Alle hatten am Erfolg ihren Anteil: Die Spielleitung lag bei Heiner Tewes in besten Händen. Der Bühnenbau Uwe Fischbecks und Alfred Bergels schuf gleich die richtige Atmosphäre. Neu war für uns Vera Lenz, die als Maskenbildnerin Hervorragendes leistete. Den zuverlässigen Rettungsanker, Gertrud Felst als Souffleuse, möchten wir nicht vergessen.
Der Winkelavkaat läßt sich in allerlei krumme Sachen ein, um einem jungen Paar zu helfen. Es bleibt offen, ob er es aus Güte tut, oder ob er damit ein gutes Geschäft verbinden möchte. Man muß gesehen haben, wie er die beiden hartnäckigen und dickköpfigen Gegner Korl und Dina gegeneinander ausspielt. Sein redseliger, weichherziger Hausdrachen hat dabei immer die Finger dazwischen. So mußte es zum happy end kommen.
Das Dreigestirn Rudi Schröder als Winkelavkaat, Elfi Bergel als Huushöllersch, Günter Schramme als Korl, der Bäckermeister, gestalteten die Handlung vollendet. Sie verkörperten die niederdeutschen Leute mit einer Echtheit, so daß ihre Gestalten lebten. Lisa Schröder als die Weetfru Dina war prachtvoll. Das junge Liebespaar Silke Lorenzen und Gerd Hackelberg sahen frisch und hübsch aus und werden sicher nach einiger Erfahrung in das Spiel der anderen hineinwachsen.
Der Autor, Robert Eildermann, kam zur ersten Vorstellung. Er brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, daß sein Werk genauso gespielt wurde, wie er es sich gedacht hatte.

(Quelle unbekannt)

 

Szenen-Fotos

 

Elfi Bergel - Rudi Schröder

 

Rudi Schröder - Elfi Bergel

 

Rudi Schröder - Elfi Bergel

 

Elfi Bergel - Gerd Hackelberg

 

Rudi Schröder - Lisa Schröder

 

Rudi Schröder - Günter Schramme

 

Lisa Schröder - Rudi Schröder - Günter Schramme

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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