Wir über uns

 

Wir spielten im Frühjahr 1967:

"Der Trauschein"

 

Komödie in zwei Akten

von Ephraim Kishon

Regie: Otto Schröder

 

 

Aufführungstermine

Freitag, 21. April 1967

Sonnabend, 22. April 1967

Sonnabend, 29. April 1967

 

Aufführungsorte

Iserbarg,

Bad Bramstedt

 

Personen und Darsteller

Daniel Brozowsky, Klempnermeister:

Egbert Wieck

Ella Brozowsky, sein Frau:

Hilma Wieck

Vicky, ihre Tochter, Studentin:

Bärbel Fischbeck

Robert Knoll, Vickys Verlobter:

Erwin Wehr

Bunky, Mitglied des Kibbuz Einot:

Rudi Schröder

Rose Hooper, Nachbarin der Brozowskys:    

Annelie Warnke

 

Hinter den Kulissen

Speelbaas:

Otto Schröder

Toseggersch:

Gertrud Felst

Bühnenbau:

Alfred Bergel

Prüük un Visaasch:     

Walter Brock

 

Handlung

Ein unauffindbarer Trauschein bringt die seit über zwanzig Jahren verheirateten Brozowskys in eine fürwahr missliche Lage. Der aus mangelndem Erinnerungsvermögen erstehende Zweifel an ihrem legitimen, seinerzeit vor dem Rabbi geschlossenen Ehebund beherrscht das gesamte Familienleben, zumal von der Existenz dieses Trauscheins offenbar das ganze Glück der einzigen Tochter, nämlich ihre Hochzeit mit einem für kleinbürgerliche Begriffe gutsituierten. wohlerzogenen Manne abhängt. Um endlich in den Besitz des so schicksalhaften Dokumentes zu gelangen, sollen auf Drängen der Tochter die Eltern noch einmal vor den Traualtar treten. Aber völlig unprogrammgemäß, sich ihrer unerwarteten Freiheit bewusst werdend, zeigt Mutter Brozowsky wenig Neigung, ihrem Mann zum Rabbi und damit in eine endgültig rechtskräftige Ehe zu folgen; vielmehr sieht sich Brozowsky gezwungen, auf seine alten Tage nochmals um die Person zu werben, mit der er einem Mädchen das Leben schenkte und über zwanzig Jahre Bett und Herd teilte.

 

Der Autor

Ephraim Kishon schreibt über sich selbst:

»... 23.8.24 in Ungarn geboren, neugeboren 1949 in Israel. Zu viele Schulen. Zu viele Arbeitslager: ungarische, deutsche, russische. Verheiratet. Drei Kinder. Sechs Theaterstücke, die außer in Israel auch in mehreren anderen Ländern aufgeführt werden, zum Beispiel in Deutschland und sogar in Japan. Bücher in insgesamt 33 Sprachen, darunter hebräisch, englisch, deutsch, ungarisch, italienisch, türkisch, dänisch, holländisch, chinesisch, japanisch etc. Schrieb regelmäßig satirische Glossen unter dem Titel ›Chad Gadja‹ (Das Lämmchen) für Israels meist verbreitete Tageszeitung ›Ma'ariv‹ (Abend). Leitete eine eigene Kleinkunstbühne, die ›Grüne Zwiebel‹. Schreibt Theaterstücke aus Liebe. Macht Filme als Hobby. Liebt Schmiedearbeit, Schach und Torbergs deutsche Übersetzungen seiner Geschichten. Lebt in Tel Aviv als freier Schriftsteller, nachdem er sich zuvor als freier Schlosser im Kibbuz, freier Garagenbesitzer und in einer Reihe anderer freier Berufe betätigt hat.«

 

Presse

Volksspielbühne hatte Mut
Am Wochenende spielte die Volksspielbühne den „Trauschein" von Ephraim Kishon unter der bewährten Spielleitung Otto Schröders. Die schöne Aula der Schule Iserbarg gab wieder den festlichen Rahmen, der früher sehr vermißt worden war.
Voll Spannung erwarteten die Zuschauer, was die Volksspielbühne Rissen aus dieser Komödie herausholen konnte, die kurz vorher über den Bildschirm des Fernsehers in unsere Wohnungen gekommen war. Konnten die Rissener Amateurspieler die Kleinbürgerkomödie, in der plötzlich Taten oder Unterlassungen einer lange vergangenen großzügig-nachlässigen Pionierzeit die ganze Wohlanständigkeit umwälzen wollten, gestalten? Wie setzten sich unsere beliebten Schauspieler mit dem fernliegenden Milieu in Israel auseinander?
Die Rissener Volksspielbühne konnte es. Sie hatte Mut. Mit Kühnheit setzten sie die Komödie in unsere heimatliche Umwelt, als hätte sie sich in den Eibvororten zugetragen. Hatten wir denn nicht auch eine „Vergangenheit", verwegene Schwarzmarktzeiten, Flüchtlingsschicksal, die plötzlich in die biedere Bürgerlichkeit einbrechen konnte? So kam es, daß die Komödie das Publikum mitriß.
Egbert Wiek als Brozowsky spielte den kleinbürgerlichen Haustyrannen. Seine Frau im Leben wie im Spiel Hilma Wieck eine Ehefrau, die sich nach 25 Jahren fragt: „Hast du deinen Mann, der jetzt vor dir steht, eigentlich geheiratet?" Vicky, die Tochter, die „etwas Besseres" werden will und soll, spielte die reizende Bärbel Fischbek, und dem Verlobten aus feiner Familie Robert Knoll gab Erwin Wehr die Gestalt eines urkomischen Muttersöhnchens. Den frischen Sturm aus dem alten Kibbuz, der auch Knoll die Braut entriß, brachte Rudolf Schröder lebensecht. Annelie Warnke spielte die Schlange Rose, die gar zu gern den braven Klempner Brozowsky verführt hätte.

(Norddeutsche Nachrichten)

 

Der Trauschein von Ephraim Kishon
Ein unauffindbarer Trauschein bringt die seit über zwanzig Jahren verheirateten Brozowskys in eine fürwahr mißliche Lage. Der aus mangelndem Erinnerungsvermögen erstehende Zweifel an ihrem legitimen, seinerzeit vor dem Rabbi geschlossenen Ehebund beherrscht das gesamte Familienleben, zumal von der Existenz dieses Trauscheins offenbar das ganze Glück der einzigen Tochter, nämlich ihre Hochzeit mit einem für kleinbürgerliche Begriffe gutsituierten, wohlerzogenen Manne abhängt.
Um endlich in den Besitz des so schicksalhaften Dokumentes zu gelangen, sollen auf Drängen der Tochter die Eltern noch einmal vor den Traualtar treten. Aber völlig unprogrammgemäß, sich ihrer unerwarteten Freiheit bewußt werdend, zeigt Mutter Brozowsky wenig Neigung, ihrem Mann zum Rabbi und damit in eine endgültig rechtskräftige Ehe zu folgen; vielmehr sieht sich Brozowsky gezwungen, auf seine alten Tage nochmals um die Person zu werben, mit der er einem Mädchen das Leben schenkte und über zwanzig Jahre Bett und Herd teilte.
Die VB Rissen hat sich mit dieser netten Komödie eines Stückes bemächtigt, dessen Schwierigkeiten vielleicht erst nach der vierten oder fünften Probe offenbar wurden. Daß die Aufführung am 22.6. gefiel, verdankt sie in ganz besonderem Maße nicht zuletzt der ausgezeichneten Regie Otto Schröders, der sich mit spürbarem Einfallsreichtum auch den kleinsten darstellerischen Details widmete.
Die Rolle des alten Brozowsky kann dazu verführen, manches zu übertreiben, zu überspitzen. Egbert Wieck erlag hier und dort dieser Versuchung und wurde - obwohl bestimmt vom Spielleiter gebremst - doch in den gefährlichen Strudel hineingezogen. Aber er spielte diesen nörglerischen, streitsüchtigen und doch gutherzigen Klempnermeister mit einem derartigen Temperament und in einer Urlaune, daß man ihm die kleinen Verfehlungen gern verzieh und sich uneingeschränkt mitreißen ließ.
Hilma Wieck als die ihm nachweislos angetraute Ella ließ das Gefühlsleben dieser Frau, die Liebe zu ihrem wahrhaftig nicht unkomplizierten Manne, ihre menschliche Reife und Toleranz, beides aus dem Hinschwinden der Illusionen ihrer Jugendzeit erwachsen, dezent und ohne Gefühlsduseleien überzeugend anklingen. Sie vollbrachte eine der ausdrucksvollsten Leistungen.
Frisch und munter zeigte sich Bärbel Fischbeck als junge, quicklebendige Tochter Vicky, die sich trotz ihrer Intelligenz, trotz ihrer philosophischen Studien die mädchenhafte Natürlichkeit bewahrt hat und sich - anfänglich vielleicht noch etwas gehemmt - entsprechend gab und bewegte.
Vickys Verlobter, der Prototyp eines verweichlichten Muttersöhnchens, dem die Mama das Evangelium und noch viel mehr bedeutet, eine unmöglich ernst zu nehmende Figur, gemahnte den Spieler ebenfalls zur Vorsicht, die Grenzen des Erträglichen nicht zu überschreiten. Erwin Wehr gelang es nicht immer, sich darstellerisch ohne Schwanken auf diesem schmalen Grat zu bewegen; er verstand es andererseits, das ihm hin und wieder entgleitende Spiel rechtzeitig auszubalancieren. Alles in allem, sein Robert war köstlich, eine nicht leichte, aber dankbare Aufgabe.
Nicht ganz mit dem allgemeinen Niveau dieser Aufführung vergleichbar war Rudolf Schröder als Nebenbuhler Bunky und Endsieger im Kampf um die Gunst der Vicky. Das Naturell dieses Naturburschen, seine vor Gesundheit strotzende physische und psychische Verfassung, seine teilweise lausbubenhafte Unbekümmertheit hätten mehr herausgekehrt werden können. Ein sich bei jeder Gelegenheit auf dem Gesicht verbreitendes breites, zugegeben effektvolles Grinsen reichte hier nicht aus. Keineswegs war das Spiel schlecht, nur ein Bunky war es nicht. Völlig versagt hat hier allerdings der Maskenbildner Walter Brock, der dem bedauernswerten Bunky einen Haarteil verpaßte, der farblich nun beim besten Willen nicht zum eigenen, noch vorhandenen Kopfschmuck paßte. Es gibt Mittel, Herr Brock, solche Pannen zu vermeiden.
Die aufdringliche Nachbarin Hooper, die dem Brozowsky als lustige Witwe hemmungslos und unverhohlen den Hof machte und hierfür bei den Familienangehörigen naturgemäß wenig Verständnis erntete, wurde von Annelie Warnke glänzend gebracht. Sehr gut ihre exzentrische Art, ihre überakzentuierte "feine Dame" mittleren Alters und ihre amüsanten Mini-Rock-Ambitionen (die sie sich allerdings - wohl entgegen den Vorstellungen des Autors - auch leisten konnte).
Ein von Alfred Bergel erstelltes nettes Bühnenbild, eine schwungvolle Aufführung und ein gemütlicher Ausklang des Abends waren der reichliche Lohn für die "Fernfahrt" nach Rissen. Ein herzliches Dankeschön allen Beteiligten.
(Verbandskritiker Helmut Grählert)

 

Szenen-Fotos

 

Hilma Wieck - Bärbel Fischbeck

 

Annelie Warnke - Egbert Wieck

 

Erwin Wehr

 

Annelie Warnke - Hilma Wieck

 

Bärbel Fischbeck - Egbert Wieck - Hilma Wieck

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Impressum