Wir über uns

 

Wi spelen in Fröhjohr un Harvst 1962:

"Herr Staatsanwalt geiht angeln"

 

Eerste plattdüütsche Inszeneren!

Kummedi in 3 Akten

vun Wilfried Wroost

Speelbaas: Otto Schröder

 

 

Opföhrensdaag

Freedag, 6. Aprilmaand 1961

Sünnavend, 7. Aprilmaand 1961

Sünnavend, 27. Oktobermaand 1961

 

Opföhrensoort

Heidehaus

 

Rullen un jüm ehr Spelers

Dora Papendiek, Pächtersch vun de Pension "Haus Sorgenfrei":

Hilma Wieck

Adolf Rowedder, Dackdeckermeister:

Heiner Tewes

Dr. Archibald Eyssenhardt, Staatsanwalt:

Karl von Appen

Erika Klappenbach, Frisörhölpersch:

Ingrid Zimmer

Manfred Meyer, ehr Verloovten:

Wolf-Dieter Neitzke

Hilde Puttfarken, Deern bi Papendiek:

Annelie Warnke

Heino Thomsen, vun de Gemeendeverwalten:

Willy Brunckhorst

 

Achter de Kulissen:

Speelbaas:

Otto Schröder

Prüük un Visaasch:      

Friseurmeister W. Brock

 

Presse

„Herr Staatsanwalt geiht angeln"
hatte sich die Rissener Volksspielbühne als ihr erstes niederdeutsches Stück ausgesucht und am 6. April ging diese Komödie von Wilfried Wroost im Heidehaus Rissen über die Bühne. Es fing recht flott und lebhaft an. Dafür sorgte das Dienstmädchen Hilde Puttfarken (Annelie Warnke), die frisch und fröhlich drauflos plapperte mit einem guten Schuß Frechheit. Prüde war sie gerade nicht. Ihre Chefin, Dora Papendieck (Elfriede Bergel) war in jeder Hinsicht gerade in richtiger Form. Sie hat mir am besten gefallen, in ihrer Art, der Rolle gerecht zu werden. Ihr Gegenspieler, Dachdeckermeister Rowedder (Heinrich Tewes) stand ihr in nichts nach und hatte oft die Lacher auf seiner Seite. Ein guter Darsteller, wenn auch figürlich nicht gerade wie verlangt. Bei dem Staatsanwalt Eissenhart (Karl von Appen) blieben mir manche Wünsche offen in bezug auf Anlage und Auffassung dieser Rolle. Er war einfach z u sympathisch. In den Nebenrollen waren noch Ingrid Zimmer als Erika Klappenbach (sehr gut und wie sie schon kneifen kann), Wolf-Dieter Neitzke als Manfred Meyer und Willy Brunkhorst als Heino Thomsen, maßgeblich beteiligt.
Für den abwesenden Spielleiter Fritz Kruse hatte Otto Schröder diese Komödie einstudiert. Und nun muß ich Euch lieben Rissener doch noch etwas sagen, was Ihr in Eurer Freude am Spiel gar nicht gemerkt habt. Dies war keine Komödie, sondern ein Schwank, der fast nach „Köllner Vorbild" schmeckte! Je wärmer Ihr in Euren Rollen wurdet, desto „komischer", um nicht zu sagen, alberner, wurdet Ihr. Und Ihr könnt spielen, das weiß ich. Warum nicht lebendige Menschen in ihren komischen Nöten darstellen, anstatt sie „ulkig" zu verzerren? Warum eigentlich die knutschenden Paare bei den Schlußvorhängen? Peinlich! peinlich!
Es tut mir leid, daß ich mit Herrn Schröder nicht einer Meinung bin. Wenn Ihr diese Zeilen richtig versteht, werden sie doch zu Eurem Besten sein. Nur aus Fehlern kann man lernen und Selbstkontrolle ist sehr wichtig. Aber was will ich? Der vollbesetzte Saal (!) wieherte vor Vergnügen und sparte nicht mit Applaus. Aber — man sollte es sich nicht zu leicht machen und versuchen, das Niveau zu heben, und das wird Euch sicher gelingen!

(Verbandskritiker Berhnhard Müller)

 

Hamburg, im Mai 1962.

Mein lieber Otto!
Rezension über "Herr Staatsanwalt geiht angeln"?! Bitte! Hier ist sie. Zwar nur eine Ergänzung zu dem, was unsere Frauen und wir nach der Premiere in Rissen feststellten. Somit kein "asinus asinum fricat". Leider kann ich sie jedoch nicht mehr veröffentlichen, denn die Aufführung liegt schon zu weit zurück.
Alsdann: Wilfried Wroost hat sehr gute Komödien geschrieben. Sein "Staatsanwalt" hingegen ist der ganzen Struktur nach ein handfester Schwank. Wenn das Werk dennoch als Komödie deklariert wird, so darum, weil es im Niederdeutschen üblich ist, Schauspiele, Lustspiele usw. mit "Kummedi" (Kummödi) zu bezeichnen.
Eine echte Komödie geißelt und glossiert humoristisch entweder irgendwelche Unzulänglichkeiten des Lebens oder sie strebt mit einem Ulk zu einer Aussage für das Gute und Wahre. In einem Schwank aber, das Wort sagt es doch, muß auch zwangsläufig "geschwankt" werden - von einer Situationskomik, von einer Verlegenheit in die andere. Je mehr in einem Schwank gesündigt, geflunkert und vertuscht wird, je tiefer die "Sünder" verstrickt sind im Verbotenen und Unrechtmäßigen, je mehr sie vor Angst schwitzen, desto wirksamer ist der Schwank. Prüderie, Lebensechtheit, Moral, Scholastik - wer damit einen Schwank auffrisiert sehen will, der muß sich schon eine Kritik an seiner Kritik gefallen lassen.
Erstaunlich, bewundernswert, wie nahe die Rissener Spielgruppe dem dramaturgischen Aufbau des "Staatsanwalt" gekommen ist. Leute, die ihren beruflichen Obliegenheiten Zeit und Kraft abringen müssen, von denen etliche zuvor noch nie eine Bühne betreten haben, bringen mit viel zu wenig Proben eine so nette Vorstellung zustande, - begeistern das Publikum derart, daß Wiederholungen verlangt werden, - ja, das ist wirklich staunenswert und läßt auf ganz ungewöhnliche Talente schließen! Fast alle Spieler waren im Dialog auffallend flott und flüssig, ohne sogenanntes Deklamieren und das leidige Pathos. Und die Hauptsache: sie spielten natürlich! Umso unverständlicher ist es, wenn von einer Seite her, die doch die ungeheuren Schwierigkeiten, mit denen Spielgruppen zu kämpfen haben, aus eigener Praxis kennen müßte, diese Aufführung negativ "zerrezensiert" wurde - so, als handelte es sich um die einer Berufsbühne. Wenn in dieser Kritik Ausdrücke enthalten sind wie: "Schade, schade", "Peinlich, peinlich" und "albern", dann hat der Urheber in naiver Ahnungslosigkeit einen Bumerang benutzt, der ihm an die eigenen Ohren fliegen muß.
Wer von dem Staatsanwalt verlangt, daß er unsympathisch wirken soll, obgleich weder Handlung noch Dialog darauf hindeuten, wer harmlos knutschende Liebespaare oder einen bis zur Kniebeuge geschürzten Mädchenrock als "peinlich, peinlich" empfindet in einem Schwank, im Zeitalter der Bikinis, der ist allerdings tief gesunken - in punkto Humor.
Ein vor Vergnügen "wieherndes Publikum", wie der Rezensent sich auszudrücken beliebt, ist doch wohl ein besserer Erfolg als ein gelangweiltes, das sein Eintrittsgeld zurückverlangt.
Ein Bravo für den Staatsanwalt (Karl von Appen). Was erst könnte dieses Rissener Ensemble leisten ohne Terminknappheit, bei genügend Proben? Vielleicht sind künstlerische, reife Höhepunkte zu erreichen, wenn man weniger Vorstellungen produziert als bisher.
Die sogenannte Laienkunst, ganz gleich welcher Art, hat einen großen Wert, sie ist Ausgangspunkt und Wegbereiter im Kulturleben. Und das gelegentliche Zusammenwirken von Berufskünstlern und Kunstbeflissenen ist eine fruchtbringende Sache.
Wie schade darum, wenn dieses harmonische "Sich gegenseitig ernst nehmen" durch unkundige Rezensionen getrübt wird. Man sollte nicht nur tüchtige Spieler heranziehen, man sollte auch geeignete Kritiker bemühen, die zu einem unpersönlichen Urteil qualifiziert sind. Es gibt ja bereits welche, wie eine Lektüre des Blattes "Der Volksbühnenspieler" beweist.

(Anonymer Kritiker und Schauspiel-Kollege von Otto Schröder)

 

Ein gelungener Start

Im Heidehaus brachte die Rissener Volksspielbühne ihre erste Aufführung in plattdeutscher Sprache. Einen unerwartet großen Erfolg konnten die Spieler und O. Schröder, der Regie führte, verbuchen. "Herr Staatsanwalt geiht angeln", eine Komödie von Wilfried Wroost, bot sich den an beiden Aufführungstagen zahlreich erschienenen Besuchern.

Auch wenn das Spiel im ersten Akt ein wenig schleppend schien, was jedoch der zweite Akt wieder vollends gutmachte und vergessen ließ, muß man der Volksspielbühne ein Kompliment machen für diese beachtliche Leistung. Nicht zu unterschätzen ist die gute Besetzung der einzelnen Rollen und das Zusammenspiel zwischen den Darstellern. Besonders zu erwähnen sind Elfriede Bergel und Annelie Warnke, die noch gar nicht lange in der Volksspielbühne sind und denen man nicht anmerkte, daß sie zum erstenmal vor der Öffentlichkeit auf der Bühne standen. Frei von Klischees spielten auch die schon altbewährten Darsteller Heinrich Tewes, Karl von Appen, Ingrid Zimmer, Wolf-Dieter Neitzke und Willy Brunkhorst als Gastspieler.

(Wedel-Schulauer Tageblatt)

 

Plattdeutsche Komödie in Rissen

Ob das Gespräch auch wirklich für die Dame an der Strippe ist? Die Zuschauer, die sich die Komödie "Herr Staatsanwalt" geiht angeln ansahen, wissen es inzwischen. Mit dieser Komödie von Wilfried Wroost versuchte sich die Volksspielbühne Rissen zum ersten Male an einem plattdeutschen Stück. Zwei weitere Neuheiten für das Publikum: Elfriede Bergel in der weiblichen Hauptrolle und der Spielleiter Otto Schröder aus Altona, der für den abwesenden Fritz Kruse einsprang.

(Hamburger Abendblatt)

 

Vertellsel un Dööntjes

Mit der niederdeutschen Sprache war Annelie Lettermann vertraut - erzählte doch schon ihr Großvater in dieser Mundart die schönsten Geschichten. Das Sprechen fiel ihr anfangs allerdings noch schwer. Und so mußte sie ihre erste Rolle wortwörtlich auswendig lernen und die Verbesserungen und Ermahnungen der Partner tapfer ertragen. Eine Stelle machte ganz besondere Probleme: Aus dem Satz "Avers to Huus heff ik dat Seggen" (hochdeutsch: Sagen) wurde ständig "Avers to Huus heff ik dat Sagen" (hochdeutsch: Sägen). Am Premierenabend zog sie sich dann spontan mit den Worten "Avers to Huus heff ik - Pause - de Büxen an" aus der Affäre - was die Lachmuskeln der Mitspieler kräftig strapazierte.

 

Szenen-Fotos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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